Wo soll ich anfangen?
Die letzten Tage waren einfach unbeschreiblich. Es ist unglaublich, was man alles erlebt, wenn man sich an eine komplett neue Umgebung im Ausland mit einer anderen Sprache gewöhnen darf: Wetter, Leute, Essen, Gebräuche, Erlebnisse, Wohnen, Schlafen, Musik, … (das könnte ich nun beliebig weiterführen). Dies mag vielleicht banal klingen, aber so banal ist das nicht. Kulturen können sich in Dingen unterscheiden, die für manch einen selbstverständlich sind. Eine Abweichung von der bekannten Norm empfindet man deshalb dann als äußerst eigenartig, da man ja davon ausgegangen ist, dass das nicht so sein könnte…
Jedenfalls habe ich in den letzten Tagen so viel erlebt, dass ich keine Zeit hatte hier im Blog ausführlich darüber zu berichten. Versuchen wir es mal trotzdem in einem Rückblick zu erfassen.
Am Freitagmorgen war es soweit. Nach einigen freien Tagen, in denen ich Madrid etwas kennenlernen konnte, haben wir uns um 9:00 Uhr an der Pforte des Werksgeländes von Bosch eingefunden. Mit wir sind die anderen Praktikanten gemeint, die auch bei Bosch in Madrid arbeiten. Nach einem Gang zur Personalabteilung und einigem organisatorischen Kram, hat mich die Personalpraktikantin zu meiner Abteilung gebracht.
In der Abteilung RBIB/CTG (Robert Bosch Iberia Controlling) – ja die Abkürzungen bei Bosch sind äußerst verwirrend und es gibt unzählig viele davon – wurde ich sehr freundlich von meiner Betreuerin Raquel Cancelo empfangen und dann anschließend den ca. 30 Kollegen vorgestellt. Wie ihr Euch sicherlich vorstellen könnt, konnte ich mir am ersten Tag gerade mal 5 Namen merken und das waren diejenigen, welche auf dem Organigramm standen, das mir zum Auswendiglernen ausgehändigt wurde. Den Rest habe ich erst einmal wieder vergessen, weil das einfach zu viele Leute waren. Aber das ist egal, das konnte ich inzwischen im Verlauf der Woche nachholen.
Die Spanier sind unglaublich freundlich und warmherzig. Die Begrüßung auch bei unbekannten Personen fällt in Spanien wesentlich persönlicher/wärmer aus (Körperkontakt, Küsschen, etc.). Smalltalk hat auch eine weitaus wichtigere Rolle als in Deutschland. Das beste Beispiel ist: In meinem Team sind heute einige in Urlaub gegangen. Die haben sich bei _jedem_ im Raum persönlich in einem 2 – 3 minütigem Gespräch verabschiedet. In Deutschland würden einige einfach nur den Raum verlassen und vorher kurz “Tschüss in den Raum brüllen”… Das ist hier undenkbar…
So oft wie hier habe ich glaube noch nie Kaffee-Pausen gemacht… Auch die Mittagspausen sind ein wares “Gruppenevent”, bei dem auch auf das letzte Teammitglied gewartet wird, damit man ja auch zusammen speist… Es ist einfach geil… Mein Chef ist total freundlich und offen, meine Betreuerin ist nett und hilfsbereit und ich wurde von einer äußerst charmanten Französin eingelernt (Sixtine ist meine Vorgängerin), sodass ich nun nach einer Woche auch einen Überblick über meine Aufgaben habe.
Am Anfang der Woche dachte ich, dass ich das alles nicht schaffen kann, weil ich mich nur schwer verständigen konnte und auch fast nichts verstanden habe. Und dann noch die Scherze auf meine Kosten…
Aber dank meiner netten und geduldigen Kollegen gedeihen meine Sprachkenntnisse von Tag zu Tag. Mein Vorteil ist, dass in meiner Abteilung fast ausschließlich spanisch gesprochen wird, weshalb ich gar keine andere Wahl habe und deshalb einfach Spanisch sprechen und üben muss. Ich denke in ein paar Wochen werde ich mich fließend verständigen können und auch mehr als 50% der Dinge verstehen… Am schwierigsten ist es zu verstehen, wann die Spanier WItze machen und wann sie etwas ernst meinen… Vor allem man selbst ist so lange man nichts versteht oft Opfer der Witze, aber das muss man halt wegstecken. Spaß muss schließlich sein
Ja wenn ich nicht bei Bosch im Werk rumhänge und mir die Zeit mit Excel totschlage, dann unternehme ich etwas mit den Bosch-Praktikantinnen und Praktikanten (von Ersteren gibt es mehr *hehe*). In meiner ersten Zeit habe ich im Attico vom Fidelhaus verdammt viele Leute kennengelernt und mit denen gehe ich regelmäßig weg. Wir verbringen viel Zeit auf der Terasse des Hauses und haben einfach Spaß. Mit 5 Personen in einer ca. 30 m² großen Wohnung zu verbringen kann auf Dauer jedoch auch seine Nachteile haben. Sagen wir es mal so, ich hätte es keinen Tag länger ausgehalten ohne einen Lagerkoller zu bekommen. Deshalb bin ich nun auch sooooo froh, dass ich in mein Zimmer einziehen konnte. Jetzt habe ich auch endlich Internet und kann jederzeit ohne Rücksicht zu nehmen meinen E-Mail-Verkehr abwickeln oder Blog schreiben…
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe in den letzten 2 Wochen mehr Erfahrungen gemacht und gelernt, als in den letzten 2 Jahren meines Lebens. Und ich habe selten so viel gelacht. Die Zeit hier ist einfach geil!
Da ich jetzt nicht noch zu lange hier schreiben muss, möchte ich ein paar Dinge kurz zuammenfassen:
Wetter: 40°c, kein Regen
Leute: Sebastian, Doreen, Nadja, Nina, Davide, Nadine, Katrin, Tanja, Nicolas, Sixtine, Eva, Valli, Markus, Heike, Steffi, Till, Sebastian², Lisa, Fidel, Chris, Jochen, Franz, Jan, und noch viele mehr!!
Unternehmungen: Parco de Retiro, Einkaufen (H&M, Zara, Esprit, Schuhläden), Schwimmbad, Ubahn-Fahren, Robert Bosch, Sol y Sombra, Prado, Museen, Schöne und das Biest!
Transport: Metro und Busse
Nachtleben: Salir en Madrid (Spanier in Disko, Sol y Sombra, …)
Kleiner Ausblick
Morgen gehe ich erstmal mit Doreen, Katrin und Nadja ins Zentrum einkaufen, brauche nämlich für die Arbeit noch ein paar Polohemden und in Madrid ist gerade zur Zeit “Rebajas”, das bedeutet hier wird einem Markenkleidung nachgeschmissen (z.B. Esprit Polo Hemd für 20€ oder Lacoste für 30€). Ergo gehe ich morgen erstmal in den Esprit, Zara und H&M, mal schauen, vielleicht finde ich noch andere tolle Läden.
Nach dem Einkaufen treffen wir uns morgen Abend dann wieder auf der Terasse und gehen danach dann gemeinsam in die größte Disko Madrids “Kapital” (6 Floors). Das wird ein Spaß *grins*.
Die nächsten 2 Wochen habe ich frei bekommen, damit ich mich näher mit der Sprache beschäftigen kann und das werde ich auch tun; ich werde die 4 Semester Spanisch-Unterricht nacharbeiten und in ca. 2 Wochen dann mit einem wöchentlichen Spanischkurs beginnen, den ich begleitend zu meinem Praktikum mache. Wichtig ist, dass ich regelmäßig aktiv die Sprache lerne und das dann im Alltag bei Gesprächen anwende. Aber das klappt schon ganz gut. Mir fehlen zwar jede Menge Vokabeln, aber immerhin kann ich mich jetzt schon recht gut verständigen…
So das war jetzt ein etwas verplanter Bericht, aber es ist auch schon 3 Uhr morgens und ich bin müde vom Umzug und der Arbeit, aber es sind ja auch unglaublich viele Eindrücke, die ich hier erleben darf.
Alla bis die Tage…
Euer Ben*chrraaa*min